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22 Jun

Flavia Zanetti Strada Regina und andere Straßen.

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Flavia Zanettis Ausstellung ist nicht eine Ausstellung im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine Installation, die eigens für diese Räumlichkeiten entwickelt wurde, wo jedes einzelne Stück zu einem einheitlichem Ganzen beiträgt: angefangen bei dem, was dieser Ort ist und darstellt.

Für sie bedeutet ihr Beitrag im Museo “plebano” (ein geschichtsträchtiges Adjektiv, denn es verweist auf die Zeit der Christianisierung im subalpinen Raum), die viele Jahrhunderte alte Geschichte einer Pfarrei als Hintergrund ihrer Arbeit zu berücksichtigen, die Geschichte eines Volkes, das hier gelebt und in diesem Gebiet – der Pfarrei mit ihrer Hauptkirche – wichtige Momente  sowohl des christlichen, als auch des zivilen Lebens geteilt hat: von der Taufe bis zum letzten Abschied.

Es bedeutete aber auch, an die unendlichen vielen Durchreisenden zu erinnern (vom Wanderer bis zum Pilger, den Franken, den Langobarden, dem General Suvarov mit seinen Truppen). Agno war nämlich eine wichtige “Station” für alle, die seit dem hohen Mittelalter die alte “Strada Regina” zwischen Ponte Tresa und Magadino über Vedeggio und den Monte Ceneri gingen. Die Moderne hat hat sie fast vergessen, sie an der Rand unserer verkehrsreichen Straßen verbannt und langsam verfallen lassen; an verschiedenen Stellen verliert sie sich auch.

Wer heute hier entlangkommt, kann jene Vergangenheit nicht ignorieren; aber es kann auch passieren, dass andere Horizonte und andere Straßen, auch sehr ferne, auftauchen oder sich in schneller Überblendung überschneiden und so Kurzschlüsse kreieren, die mögliche Analogien schaffen.

Das Gestern vermischt sich mit dem Heute, unsere Gegenwart mit einer anderen Gegenwart und unseren alten Straßen nähern sich andere Straßen: nicht verbundene Schotterwege, die das nördliche  Afrika durchqueren, um im Mittelmeerraum anzukommen, mit staubigen Lastwagen, die an Menschenschlangen längs dem Straßenrand vorbeirasen.

Menschen errichten Mauern - reale und im Kopf - gegen das, was anders ist und stört, aber dennoch menschlich ist. Und dabei vergessen sie sogar die eigene Geschichte jahrhundertelanger Emigration. Vor diesem Verhalten wird Zanettis Arbeit Reflexion über die Welt, von der wir – vielleicht auch gegen unseren Willen – Zeugen sind und sie bezieht uns ein und stellt uns Fragen.

Der Wunsch der Künstlerin ist, dass die Menschheit bald aus dieser Hölle heraus kann und “wieder die Sterne sieht”, und dass so jeder Mensch die Möglichkeit hat, einen eigenen Weg zu sehen und zu gehen.

 

Katalog: 5.- Fr. 

Additional Info

  • Anno: 2015
  • Data esposizione: 20.9 - 29.10.2015
Read 1316 times Last modified on Mittwoch, 19 Juli 2017 13:12